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Wachgerufen. Bistum Trier

Stellungnahme zur Pressekonferenz des Bischofs von Trier, Dr. Stephan Ackermann, und des Generalvikars Dr. Ulrich Graf von Plettenberg am 10.01.2019 in Trier sowie zu den im Anschluss verteilten Unterlagen, insbesondere zu „Pfarreien der Zukunft – Einblicke 01/2019“

In einem Interview vom 16.01.2019 auf katholisch.de wird der Bischof von Osnabrück und Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Franz Josef Bode gefragt:

„Die Bistümer fahren verschiedene Konzepte. Das Bistum Trier etwa reduziert die Gemeinden drastisch. Im Bistum Osnabrück passiert das nicht. Warum ist Ihr Modell besser?“

Darauf antwortet der Bischof wie folgt:

„Wir müssen überschaubare Einheiten behalten. Bei zu großen Fusionen kann es leicht zu einem Zentralismus kommen, bei dem die einzelnen Gemeinden ihre Stärke verlieren. Denn auch wenn den Kirchorten ein Budget bleibt, wird ihnen letztlich das Vermögen genommen, weil sie keine Pfarreien mehr sind. Das darf man nicht unterschätzen, denn was einem nicht gehört, darum kümmert man sich nicht wirklich. Andererseits ist auch zu verstehen, dass man in Zukunft nicht mehr in jedem Ort mit 20 Leuten einen Gottesdienst feiern kann. Eine gewisse Mobilität kann man von den Gläubigen heute schon erwarten, vor allen Dingen für die Eucharistiefeier. Aber die Gewissheit, wir können vor Ort noch selbst gestalten, muss bleiben.“

Dem kann jeder überzeugte Christ nur zustimmen. Nicht so die Leitung des Bistums Trier. Mit ihren neuerlichen Ankündigungen setzt sie ihr schon mehrfach als systemisch bezeichnetes Verhalten fort (so Professor Gerhard Henkel in der Rheinzeitung), indem sie versucht, die Gläubigen zu verunsichern, Dinge zu vernebeln und wichtige Punkte zu verschleiern:

1.    Falsches „In Sicherheit wiegen“ – rechtliche und praktische Konsequenzen

Im Manuskript für eine Pressekonferenz heißt es immer so schön: Es gilt das gesprochene Wort. Das galt auch für die PK des Bischofs am 10.01.19: Demnach sind aber nicht nur die ersten dreizehn „Pfarreien der Zukunft“ in das Anhörungsverfahren bis Mai 2019 eingebunden, sondern alle 35 künftigen Pfarreien. Ende Mai möchte der Bischof dann für alle ein Gesetz/Dekret erlassen, das diese geplanten Pfarreien allesamt erfasst.

 Nach bisherigem Stand sollen davon zwar nur die ersten dreizehn zum 01.01.2020 in Betrieb gehen, die übrigen dann spätestens zum 01.01.2022. Allerdings müssen sich sämtliche betroffenen Pfarrgemeinden schon im Mai gegen dieses Gesetz zur Wehr setzen, wenn sie mit der Struktur der geplanten Großpfarreien nicht einverstanden sind.

Das heißt im Klartext: Die tatsächliche Einspruchsfrist beträgt nur 10 Tage ab dem Zeitpunkt, an dem die Pfarreien bzw. jeder Bistumschrist von dem Gesetzesinhalt Kenntnis erhalten (Can. 1734 § 1 CIC).

Diese vernebelnde, unchristlich anmutende Gestaltung wirkt wie ein „Taschenspielertrick“ und hat jedenfalls zur Folge, dass die angeblich zunächst nicht betroffenen, erst später in Betrieb gehenden 22 Großpfarreien sich - möglicherweise strategisch beabsichtigt - in falscher Sicherheit wiegen sollen. Sie sollen wohl annehmen, dass sie sich erst in zwei Jahren mit einer Beschwerde gegen ihre neue XXL-Pfarrei wehren müssten. Das wäre aber ein fataler Irrtum. Sie müssen sich nämlich genau wie die 13 anderen gegen das Gesetz im Mai zur Wehr setzen. Andernfalls verlieren sie nach geltendem Kirchenrecht insoweit sämtliche Beschwerdebefugnisse.

Es ist schon erstaunlich, dass der Bischof direkt vor seiner Haustür, im Bezirk Trier, zunächst keine Großpfarrei plant. Fast alle 13 zum 01.01.2020 vorgesehenen Großpfarreien liegen in den östlich Randbezirken des Bistums. Dadurch werden die in der Initiative Kirchengemeinde vor Ort aus dem gesamten Bistum zum Widerstand zusammengeschlossenen Gemeinden vermeintlich nicht nur geografisch, sondern auch praktisch in zwei Gruppen (13 XXL-Pfarreien jetzt und 22 später) gespalten. Auch wenn man annehmen könnte, damit solle der Widerstand gebrochen werden, bleibt nach bereits zahlreichen Rückmeldungen die Solidarität unter diesen Gemeinden erhalten. Diese Solidarität zu brechen wird im Übrigen auch deshalb nicht gelingen, weil alle in gleicher Weise Ende Mai in ihrer Rechtsstellung formal betroffen sind, und zwar unabhängig davon, wann die geplante neue Konstruktion tatsächlich in Kraft tritt, ob schon alle zum 01.01.2020, zum 01.01.2021 oder irgendwann dazwischen: „Spätestens“ heißt nämlich nicht „erst“ zum 01.01.2022.

Der Bischof hat allerdings noch ein weiteres „Manöver“ gegen seine widerspenstigen Schäfchen im Gepäck, um die Klagemöglichkeiten vermeintlich abzuschwächen oder auszuhebeln. Die Auflösung der Kirchengemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts soll nach seinen Ausführungen in der Pressekonferenz am 10.01.2019 nämlich erst mit einer Anhörung im Dezember angegangen werden, so dass das Dekret zu deren Auflösung ebenfalls frühestens im Dezember ergehen wird. Nur: im Dezember gibt es – jedenfalls bei den 13 Erstbetroffenen - keine Gremien mehr vor Ort, die angehört werden könnten, denn deren Legislaturperiode läuft bereits im November aus. Das hat zur Folge, dass es entweder gar keine Anhörung mehr geben kann oder – im Falle der noch offenen Verlängerung von Amtszeiten (ggf. bei den 22 späteren Pfarreien) – diese Anhörungsphase äußerst kurz ausfällt, da u.U. alles im vorweihnachtlichen Dezember über die „unchristliche“ Bühne gehen soll. Zudem liegt darin ein - allerdings untauglicher - Versuch, den Rechtsschutz vor den Verwaltungsgerichten und kirchlichen Institutionen praktisch zu erschweren oder gar zu verhindern. Liebe Mitchristen: Diese Rechnung darf nicht aufgehen!  

Zusammenfassend hat der Bischof durch die Aufspaltung des an sich einheitlichen Rechtsvorgangs in zwei Dekrete - einmal nur zur Pfarreiengründung und zum anderen zur Auflösung der Kirchengemeinden - sowie deren zeitliche Verschiebung und inhaltlich unterschiedliche Ausgestaltung vernebelnde und schon fast trickreiche Manöver unternommen, die der Haltung eines zu Offenheit, Klarheit und Wahrheit stehenden Christen nicht gerecht werden.

Der gesamte Text kann als PDF-Datei heruntergeladen werden (rechte Spalte)

oder: https://1drv.ms/w/s!Aha3EoT64Qk4hgk9iYOAOxNInh7O

Bitte vormerken:

Sendung im WDR am 14. Februar 2019 "Meine Gemeinde, meine Familie" Das Team von "berlin producers Media GmbH" hat bei unserer Demo in Trier am 20. Oktober 2018 gedreht.

Zusammenschluß mit dem Syndicat des Fabriques d'èglise a.s.b.l. des Erzbistums Luxemburg (SYFEL)

Am 30. November 2018 fand die erste gemeinsame Sitzung von Delegationen der "SYFEL" und der "Kirchengemeinde vor Ort" in Echternach statt. Hierbei wurde die Echternacher Resolution zur weiteren Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung beschlossen.

Hinweis auf:https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kritiker-der-kirchenreformen-in-trier-und-luxemburg-kooperieren

http://www.saarnews.com/index.php/2018/12/07/echternacher-resolution-zusammenschluss-im-kampf-gegen-die-xxl-pfarreien/

https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Zerrissene-Bistuemer;art312,194185

https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/ermoglichungsraume-statt-hirten-im-bistum-trier

Auf den Artikel in der FAZ vom 17.12.2018 (PDF-Datei rechte Spalte) wird besonders hingewiesen.

 

Protest gegen die Bistumsreform - 5 vor 12 am 20. Oktober 2018 in Trier

Auf die Ausführungen unter "Was bisher geschah" wird verwiesen.

 

Stand der Beteiligung an der Initiative

Stand: 11. März 2019: Rückmeldungen gesamt: 316 Pfarreien/Kirchengemeinden

Teilnahme an der Initiative und damit gegen die Auflösung der Kirchengemeinden: 300

Für die Auflösung der Kirchengemeinden: 12

Noch ohne endgültigen Beschluss (unentschieden): 4

Aus der Karte des gesamten Bistums (siehe rechte Seite) sind die Rückmeldungen insgesamt ersichtlich.

Wir bitten nochmals darum, in den Räten der Pfarrgemeinden/Kirchengemeinden Beschlüsse über die Zukunft der Kirchengemeinden zu fassen und an die Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" an die Adresse initiative-kirchengemeinde@gmx.de mitzuteilen.

Zur Mitteilung (auch per Post) kann das nebenstehende Formular (Text bzw. PDF) genutzt werden.